13. April 2022
4 min
Privat Sache

Private Hochschulen bereichern die Hochschullandschaft mehr und mehr. Vor allem in sehr beliebten Studiengängen ist ein Studium hier oft eine echte Alternative zu einer Immatrikulation an einer „klassischen“, staatlichen Hochschule. Über Vorteile und Vorurteile von privaten Hochschulen sprechen wir mit Prof. Dr. Peter Thuy.

Mann Fotografie Lichtspiel
interview
Bild: © pexels.com

Herr Prof. Dr. Thuy, was genau unterscheidet eigentlich private Hochschulen von staatlichen?

Mal ganz salopp gesagt: Wir sind kundenorientiert. Die private Hochschullandschaft ist hervorgegangen aus den privaten Fachhochschulen, die ja per se einen sehr hohen Praxisbezug haben. Mittlerweile gibt es auch immer mehr private Universitäten, die ebenso den Anspruch auf Praxis- und Arbeitsmarktnähe haben. Private Hochschulen orientieren sich also am Markt und am Bedarf. Die Studierenden und ihr Erfolg stehen uneingeschränkt im Mittelpunkt. Um diesen Erfolg zu gewährleisten, haben private Hochschulen ganz andere Mittel als staatliche, so dass sie viele gute Services neben dem Studium bieten können.

Zum Beispiel?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging – aber bis ich mich damals an meiner (staatlichen, Anm. d. Red.) Uni ausgekannt habe, war das Vordiplom vorbei! Ich war der Erste in meiner Familie, der studiert hat, und bis man dann so weiß, wie der Laden läuft, dauert es manchmal ewig! Bei einer privaten Hochschule werden die Studierenden im besten Sinne des Wortes an die Hand genommen. Sie werden durch die bürokratischen Prozesse geführt, an Meldefristen und dergleichen erinnert. Da geht keine Zeit verloren.

Kann man grundsätzlich jeden Studiengang an einer privaten Hochschule studieren?

Nein, das Angebot ist stark von der Nachfrage abhängig. Es gibt Studiengänge, die an privaten Hochschulen weiterverbreitet sind als an staatlichen, etwa im Gesundheitsbereich, Ergotherapie oder Physiotherapie. Da sind die privaten Hochschulen Vorreiter! Oder Spezialisten wie die WHU in Koblenz oder die Bucerius Law School in Hamburg, um nur zwei Beispiele zu nennen, die sind absolut führend in ihrem Fach. Am Studiengang Soziale Arbeit kann man gut sehen, wie private Hochschulen funktionieren: Die Nachfrage nach Studienplätzen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die staatlichen Hochschulen reagierten darauf mit Zulassungsbeschränkungen.

Prof. Dr. Peter Thuy Vorstandsvorsitzender des Verbands der Privaten Hochschulen e.V.
Bild: © privat

Im Interview: Prof. Dr. Peter Thuy, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Privaten Hochschulen e.V.

Gibt es hier also gar keine Zulassungsbeschränkungen? Der NC spielt keine Rolle?

Also, ich kenne nicht eine einzige private Hochschule, die nur auf den NC guckt! Das ist doch in manchen Bereichen auch fatal! Nur weil man ein Einser-Abi hat, wird man ja zum Beispiel noch lange kein*e gute*r Ärzt*in! Mit einem soliden deutschen Abi muss man im staatlichen System zum Medizinstudium entweder ins Ausland oder – warten. Damit kann man ja nicht zufrieden sein. Ich finde es nicht richtig, interessierten Schüler* innen nur aufgrund einer Note den Zugang zu verwehren. An einer privaten Hochschule ist das anders, das Auswahlverfahren ist einfach sehr breit aufgestellt. Von Betreibern medizinsicher Hochschulen höre ich häufig den Satz: „Bei uns sind die, die unbedingt Ärzt*in werden wollen!“

Na ja, aber am Ende geht es dann doch schlicht um Geld.

Kaufkraft spielt natürlich eine Rolle, das liegt in der Natur der Sache. Aber nehmen wir noch mal das Beispiel Medizin: Jemand mit einem durchschnittlichen Abitur kann entweder sechs Jahre warten oder zahlt 120.000 Euro und geht an eine private Hochschule. Wenn er oder sie dafür aber sechs Jahre eher im Job ist, dann ist das Geld doch schnell wieder drin.

Aber es scheint fast, als sei es kein Vorurteil, dass Private Hochschulen nur was für Reiche sind?

Es stimmt, man muss teilweise viel Geld aufwenden. Und dennoch ist es totaler Quatsch, dass die private Hochschullandschaft nur den Kindern der Reichen und Schönen zu Verfügung steht. Jede private Hochschule bietet Stipendienprogramme an. Wer Talent hat, soll auch einen Studienplatz bekommen! Wir haben im Verband mittlerweile über 300.000 Studierende – so viele Kinder von Reichen und Schönen gibt es gar nicht!

„Wenn wir auf unsere Studierenden blicken, dann haben wir im Vergleich zu staatlichen Hochschulen mehr Menschen aus dem Beruf. Mehr Menschen mit Familie. Mehr Menschen ohne Abitur. Wir fördern einfach breiter.“

Wie findet man denn eine passende private Hochschule – und wie läuft der Bewerbungsprozess?

Genauso wie man sonst auch eine passende Hochschule findet. Die Entscheidung, an eine private Hochschule zu gehen, ist fast nie die erste, sondern immer eine aus dem Berufswunsch resultierende. Man schaut sich also die Hochschullandschaft an und sondiert, was es so gibt, staatlich und privat. Der Bewerbungsprozess ist dann individuell. Die privaten Hochschulen sind zwar im Verband der Privaten Hochschulen e.V. organisiert, aber am Ende des Tages sind sie auch Wettbewerber. Es gibt hier also kein zentrales Bewerberportal. Das macht es manchmal etwas mühsam, aber ist bei staatlichen Hochschulen ja mittlerweile häufig nicht anders.

Wie siehts mit den Karrierechancen aus?

Sehr gut. Nahezu jede private Hochschule bietet für ihre Studierenden einen Career Service: Man kümmert sich aktiv darum, seine Absolvent*innen in den Arbeitsmarkt zu vermitteln, etwa über Bewerbungshilfen und weitere Angebote. Außerdem ist ja das gesamte Programm per se auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet. Was wird gebraucht? Was wird nachgefragt? Wenn Sie Ethnolog*in werden wollen, wird es an einer privaten Uni eher schwierig.

Herr Prof. Dr. Thuy, ich danke Ihnen für das Gespräch!