13. April 2022
4 min
Der neue Dualismus

Mit der Entscheidungsfinderei ist das manchmal so eine Sache: Eine Ausbildung nach dem Abi … Dazu sagen viele: Dafür hätte ich mich nicht durchs Abi quälen müssen. Und zum Studieren nach dem Abi wiederum sagen andere: Bitte nicht schon wieder nur lernen. Ganz gleich, ob du zu den einen oder zu den anderen gehörst, wir haben für beide die perfekte Lösung.

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information

Das duale Studium verbindet die praktische Arbeit in einem Unternehmen mit theoretischen Vorlesungen an einer Hochschule oder Berufsakademie. Beide Gebiete, Theorie und Praxis, wechseln sich in einem meist regelmäßigen Rhythmus miteinander ab.

Dual studieren kann man mittlerweile fast alles; besonders beliebt sind nach wie vor duale Klassiker wie Betriebswirtschaft. Aber auch Soziale Arbeit kann im dualen Studium absolviert werden. Voraussetzung ist, wie bei einem Bachelorstudium üblich, eine Hochschulzugangsberechtigung; etwa das Abitur oder Fachabitur. Auch wenn es meist keinen Numerus Clausus gibt, setzen viele Unternehmen gute Schulnoten bei Bewerber*innen voraus.

Dualer Einblick

Emma, wie kam es zu der Entscheidung für dein Studium?

Inspiriert hat mich eine Info-Veranstaltung an der Schule, bei der unter anderem auch das Finanzamt vertreten war. Nachdem ich dann auch mit ein paar Bekannten gesprochen habe, die ebenfalls dieses Studium absolvieren, stand meine Entscheidung fest, mich dort auch zu bewerben.

Du arbeitest also in Osnabrück und studierst in Rinteln? Wie organisierst du das?

Genau: Der theoretische Teil des Studiums findet an der Steuerakademie in Rinteln statt. In Rinteln kann man möblierte Zimmer in WGs mieten. So habe ich das auch gemacht. Das ist total praktisch, um nicht jedes Mal mit Sack und Pack hin und her ziehen zu müssen. Man bleibt nämlich nie sehr lang an einem Ort: Es gibt drei theoretische Phasen von jeweils 5 Monaten, 10 Monaten und 6 Monaten. Die restliche Zeit arbeite ich im Finanzamt in Osnabrück.

Bleibt bei einem dualen Studium noch Zeit für Freizeit und Studentenpartys?

Na klar! In meiner Freizeit gehe ich zum Beispiel sehr gern ins Fitnessstudio, auch das ist in Rinteln super geregelt mit extra Studententarifen. Meine Kommiliton*innen sind alle superlieb und ich verstehe mich mit ihnen bestens. Normalerweise werden während der Zeit in Rinteln auch viel mehr Partys gefeiert oder an der Akademie wird mal gegrillt. Das war bisher natürlich alles nicht möglich (Anm. d. Red.: wegen Corona), aber das finde ich gar nicht so schlimm, WG-Partys finden ja trotzdem statt ;) Wegen Corona hatten wir jetzt zeitweise auch Homeschooling, was ich persönlich nie als schlimm empfunden habe, aber das sieht eben auch jeder anders.

Was kannst du mit dem Studium denn später machen? Kommt dann nur das Finanzamt als Arbeitgeber in Frage?

Nein, da gibt es wirklich noch viele andere Möglichkeiten. Selbst wenn ich beim Finanzamt bleiben wollte, aber in eine andere Stadt ziehen will, könnte ich mich versetzen lassen. Finanzämter gibt’s ja überall. Ich habe aber auch die Möglichkeit, in die freie Wirtschaft zu gehen, könnte z.B. ganz klassisch Steuerberaterin werden, dafür müsste ich dann lediglich noch eine Steuerberaterprüfung ablegen. Ich könnte auch noch ein Studium wie Jura, Betriebswirtschaft oder auch Wirtschaftsrecht dranhängen, um damit dann beispielsweise als Wirtschaftsprüferin, Rechtsmanagerin oder Insolvenzverwalterin zu arbeiten. Insgesamt kann ich sagen, dass mir das Studium sehr gut gefällt. Die Abwechslung zwischen den teilweise doch sehr anstrengenden Theoriephasen und der Zeit in der Praxis ist super, so kann man das Erlernte auch immer gleich anwenden. Ich kann mein duales Studium zur Finanzwirtin definitiv weiterempfehlen. Und: die Arbeit beim Finanzamt ist entgegen mancher Erzählungen und Vorurteile wirklich mega abwechslungsreich, ich lerne ständig spannende, neue Dinge und auch Menschen dort kennen. Und nicht zu vergessen ist für manche auch der Aspekt, dass man schon während des Studiums zum*zur Beamt*in auf Widerruf ernannt wird. Das ist für mich jetzt nicht von entscheidender Bedeutung gewesen, für meine Eltern schon eher. Nein, im Ernst: Die hätten mich auch bei jeder anderen beruflichen Entscheidung unterstützt.

studentin frau fröhlich
Bild: © privat

Das ist Emma

Alter:

21 Studiengang:

Duales Studium

Finanzamt Hochschule: Steuerakademie Rinteln

Arbeitgeber:

Finanzamt Osnabrück-Stadt

Dauer des Studiums:

3 Jahre

Aktuelles Semester:

4. Semester

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Dualer Überblick

Die Vorteile

  • In den meisten Fällen schließt du das Studium nicht nur mit dem international anerkannten Bachelor ab, sondern du hast auch noch eine abgeschlossene Ausbildung in der Tasche. Zumindest aber hast du nach deinem Studium schon jede Menge Berufserfahrung.
  • Schon während des Studiums ein bisschen Geld verdienen? Das duale Studium macht’s möglich. Je nach Branche, Studiengang und Ausbildungsjahr sind zwischen 400 bis zu 1.800 Euro möglich. On top kommen häufig noch Benefits der Arbeitgeber wie Vergünstigungen in Fitnessstudios oder für die Nutzung von Öffis, Prämien,...
  • No numerus clausus! Die meisten dualen Studiengänge sind NC-frei, Abitur oder Fachabitur sind jedoch überall Grundvoraussetzung.
  • Schnell ans Ziel! Das duale Studium ist straff organisiert, dafür beträgt die Regelstudienzeit nur sechs bis acht Semester.