1. April 2025
5 min

Was du heute kannst besorgen, ... das verschieb doch mal auf morgen.

Bevor Sina sich eine Pause gönnt, ist alles bis ins Detail geplant und organisiert. Aktuell absolviert sie mit voller Leidenschaft ihr 8. Semester der Humanmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Neben dem Studium bleibt aber auch Zeit für die Dinge, die ihr wichtig sind: Sport, Fotografie und das bewusste Genießen des Lebens. Ihr Alltag spielt sich „irgendwo zwischen Medizinstudium, Sport & schönem Leben in Nürnberg“ ab, wie sie es selbst beschreibt. In unserem Interview haben wir mit Sina über ihren Alltag, ihre Haltung zum Beruf und die Herausforderungen einer Quarterlife-Crisis gesprochen – und darüber, wie sie es schafft, zwischen Disziplin und Genuss die perfekte Balance zu finden.

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Sina ist eine durch und durch strukturierte Medizinstudentin – und trotzdem eine Meisterin des strategischen Prokrastinierens!

Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder im Leben arbeiten.

Seit wann stand für dich fest, dass du Ärztin werden willst?
Ach ja … die Antwort auf die Frage, was du werden willst, wenn du groß bist, ist schon seit meinem vierten Lebensjahr unverändert: Ärztin. Ich war wohl eins der wenigen Kinder, das wirklich gerne zur Kinderärztin ging. Ich fand sie einfach toll und hab mich immer drauf gefreut, wenn wir einen Termin bei ihr hatten. An diesem Wunsch hat sich nie wieder etwas geändert. Nicht einmal mein für ein Medizinstudium doch eher mittelmäßiger Abi-Durchschnitt von 2,0 konnte daran rütteln.

Okay, aber mit dem Schnitt standen die Chancen dann vermutlich erst einmal nicht so gut, oder?

Genau. Beworben habe ich mich dennoch, aber klar, da war ich dann auf Platz dreitausendirgendwas. Das war jetzt auch keine große Überraschung, aber ich hatte ja einen Plan B. Ich habe mich also dann erstmal für einen Bundesfreiwilligendienst am Klinikum Ingolstadt beworben. Das war einfach noch mal so ein Verstärker. Ich habe da so wertvolle Erfahrungen machen dürfen. Ich kann by the way ein freiwilliges Jahr nur empfehlen, vor allem, wenn man Medizin studieren will.

Wie ging es danach weiter, Sina?
Spannend auf jeden Fall: Ich hatte mich wieder für ein Studium an einer staatlichen Uni beworben, parallel aber auch an einer privaten Hochschule für Humanmedizin und für eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Und was dann kam, war einfach nur verrückt: Es „hagelte“ Zusagen aus allen Richtungen: Ausbildung, private Hochschule und zahlreiche Studienplätze über das zentrale Vergabeverfahren, womit ich nun wirklich gar nicht gerechnet hätte. Einziger Wermutstropfen: Das Studium wäre in Berlin an der Charité gewesen. Ich hätte es gemacht, aber geträumt habe ich von einem Studium in Heimatnähe, also an der FAU Erlangen-Nürnberg.

Aber da bist du ja jetzt auch. Wie kam es dazu?
Dieses Glück verdanke ich den sozialen Medien. Ich hatte dort bei einer Medizinstudentin einen Post kommentiert, in dem ich unter anderem schrieb, dass ich voraussichtlich an der Charité anfangen kann, aber eigentlich lieber an die FAU gegangen wäre. Und das hat dann tatsächlich eine Frau gelesen, bei der es genau umgekehrt war: Sie hatte Aussicht auf Humanmedizin an der FAU, wollte aber lieber nach Berlin. Sie hat mich kontaktiert und der Deal war fix: Bekommen wir beide den Studienplatz, tauschen wir. Und so war es dann.

Das ist wirklich eine grandiose Geschichte.
Ja, ich hab schon wieder Freudentränen in den Augen, wenn ich nur dran denke. Ich bin einfach so dankbar.

Beschreib doch mal deinen Alltag. Du hast uns verraten, dass du gerne mal Dinge auf die lange Bank schiebst.
Das stimmt. Oh ja, das kommt wirklich häufig vor. Ich liebe das Studium, aber ich liebe auch das Leben. Und achte darauf, dass weder das eine noch das andere zu kurz kommt. Das ist mir wichtig, und damit fahre ich auch wirklich gut. In Bezug auf mein Studium liegt es glaube ich daran, dass das für mich wirklich eine Berufung ist. Mir fällt das Lernen relativ leicht, ich muss mich nicht zwingen oder so, weil es mich wirklich interessiert. Da verinnerlicht man die Inhalte dann automatisch anders. Leichter. Dazu kommt, dass ich auf der Intensivstation
der Uniklinik Erlangen jobbe. Auch das trägt dazu bei, dass ich – wenn ich nicht lerne – immer nahe dran bin. Natürlich gibt es auch Fächer, die mich weniger interessieren – da schiebe ich schon mal gerne was vor mir her. Aber am Ende habe ich immer einen Plan und bekomme alles unter, was wichtig ist.

Um dann was anderes zu machen? Welche Interessen hast du denn sonst noch?
Ich liebe die sozialen Medien, und es macht mir Spaß, da auch selbst ein bisschen was von mir zu teilen. Da bin ich jetzt kein Pro, ich mach das just for fun, not for followers. Damit kann ich schon viel Zeit verbringen. Außerdem liebe ich Sport. Aktuell bin ich am liebsten mit meinem Rennrad unterwegs. Vielleicht hab’ ich auch grad ’ne Quarterlife-Crisis. So zumindest erkläre ich mir meine Begeisterung für meinen heißgeliebten Airfryer, unsere Siebträgermaschine, und ich liebe es zu backen. Ich glaube, ich mache mittlerweile die besten Macarons der Welt!

Das klingt doch weniger nach einer Krise als nach einer verdammt guten Study-Life-Balance.

Das stimmt. Und natürlich sind mir auch Kontakte wichtig. Mit Freunden, Freundinnen und meinem Partner unternehme ich auch eine Menge. Mein Freund und ich reisen zum Beispiel für unser Leben gern. 

Apropos reisen. Weißt du schon, wohin die Reise nach deinem Studium gehen soll?

Ja, es kristallisiert sich immer mehr raus, dass ich in die Gynäkologie gehen will. Ich liebe zwar die Arbeit auf der Intensivstation, aber das Ding ist, Intensivmedizin geht nur in der Klinik. Und ich möchte schon gerne später in eine Praxis. Also Idealvorstellung: Gynäkologie, Gemeinschaftspraxis. Aber wer weiß, vielleicht gefällt es mir in der Klinik dann doch so gut, dass ich vielleicht bleiben möchte.

Das klingt nach einem konkreten Ziel.

Ja, einem, das mir dann auch wieder die Möglichkeit verschafft, ein ausgewogenes Leben zu führen – aus Beruf und Familie.

Wenn du genauer wissen möchtest, was Sina so aus ihrem freiwilligen Jahr mitgenommen hat, schau mal hier vorbei:

www.klinikum-ingolstadt.de

 
Bilder : © Sina