22. Oktober 2021
3 min
Lehrer*in werden: Soll ichs wirklich machen oder lass ichs lieber sein?

Ein krisensicherer Job, gute Chancen auf Verbeamtung, gutes Gehalt, sichere Rente, kurze Arbeitstage und viel Ferien- und Freizeit. Klingt verlockend, doch fragt man sich da nicht, warum es dann einen Lehrer*innen-Mangel in Deutschland gibt?

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Das Wichtigste zuerst: Zum Teil sind die genannten Vorteile Vorurteile.

 

Denn mit der reinen Unterrichtszeit ist noch lange nicht die ganze Arbeit getan: Unterrichtsvor- und Nachbereitung, Tests und Klausuren, die korrigiert werden müssen, Konferenzen, Elternsprechtage und -gespräche, Fortbildungen während der Ferien und kurzfristige Vertretungen sind nur Beispiele, die den Arbeitstag von Lehrer*innen mehr als füllen – manchmal auch bis in den späten Abend und ins Wochenende.

Hinzu kommt, dass der Beruf des*der Lehrer*in ein sehr verantwortungsvoller Beruf ist. Sie begleiten Schüler*innen auf dem Weg zum Erwachsenwerden und leisten so viel mehr als die reine Vermittlung von Lehrstoff – sind Pädagog*innen und Vertrauensperson, müssen motivieren, schlichten und Konflikte lösen.

Und doch gibt es sie – all die jungen Menschen, die aus genau diesen Gründen Lehrer*in werden und diese Verantwortung und Aufgaben übernehmen wollen. Die Redaktion von studi.info hat sich mal umgehört bei Lehramtsstudent* innen und Lehrer*innen und sie gefragt, warum sie sich für diesen Beruf entschieden haben.

Bild: © privat

Luisa (27 Jahre) 

Lehramtsstudium Deutsch & Geschichte (Abschluss: Master of Education); aktuell: Lehrerin an einer Oberschule in Osnabrück

„Du kannst das nicht!“ Beinahe jeder von uns hat sich diesen Satz schon einmal anhören müssen – und manche Kinder hören ihn jeden Tag; auch in der Schule. Seit jeher war es mir ein Anliegen, Heranwachsende auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten und sie individuell zu unterstützen – egal, woher sie kommen oder was sie (noch nicht) können! „Du kannst das!“ ist mein Leitspruch und motiviert mich immer wieder, für die Kinder und Jugendlichen alles zu geben – damit sie alles geben können.

Anne (30 Jahre)

Lehramtsstudium Germanistik & Sachunterricht (Grundschullehramt); aktuell: Referendariat Bremen

Ich hatte schon immer das Gefühl, Menschen begleiten und etwas für sie tun zu wollen. In welcher Form das sein sollte, wurde mir erst nach einem halbherzigen Versuch, Jura zu studieren, bewusst. Ich mag am Lehrberuf, dass er mich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenbringt. Dass er mich herausfordert und ich daran wachse, mich auf die Kinder immer wieder neu einzulassen. Jeder Tag ist ein kleines Ü-Ei. Denn egal, wie gut man ihn plant: Die Kinder gestalten den Unterricht. Und ich begleite sie auf dem Weg, ihre Ziele zu erreichen. Gelingender Unterricht verlangt Vorbereitung, Nachbereitung, Elternarbeit und Langzeitplanung. Wenn man sich da eingegrooved hat, macht es eine Menge Spaß.

Bild: © privat 

Stefan (27 Jahre)

Germanistik & Sachunterricht (Bachelor – Bildung, Erziehung & Unterricht - Master of Education Grundschule); aktuell: im Master & Inklusionsassistenz

Zu betonen, wie erfüllend die Arbeit mit Kindern ist, wirkt wie ein Klischee. Zwar ist es oftmals ein Drahtseilakt, sowohl der Lehre als auch der Erziehung genug Raum geben zu können. Dennoch gibt es kaum ein besseres Gefühl, wenn man realisiert, welchen emotionalen Stellenwert engagierte Pädagog*Innen einnehmen und welchen positiven Einfluss diese doch auf die Entwicklung der neuen Generation haben können. Kurz gesagt möchte ich den Heranwachsenden die Hilfe zur Selbsthilfe für die eigenständige Entdeckung ihrer Welt geben.

Britta (48 Jahre)

Deutsch, Mathematik & Sachunterricht Grundschule Universität Bielefeld seit 1999 Lehrerin an einer Grundschule

Am wichtigsten war es mir immer, mit Menschen zu arbeiten. Ich wollte einen Job, der dabei spannend und vielfältig ist, in dem es nicht langweilig wird. Außerdem war es mir wichtig, etwas Nachhaltiges zu bewirken. Und was kann da wichtiger sein, als Kinder mit den grundlegenden Basiskompetenzen auszustatten und sie so auf ihr Leben vorzubereiten? Die Freude über ihre Lernfortschritte und die Herzlichkeit der Kinder sind dabei der schönste Lohn in diesem Beruf.