Zukunft studieren – aber nachhaltig „Irgendwas mit Umwelt“? Klingt erstmal vage, ist aber längst ein riesiges Feld mit echten Karrierechancen. Grüne Studiengänge sind längst mehr als nur Bio, Bäume und Blumen. Sie beschäftigen sich mit den relevanten Fragen unserer Zeit: Wie stoppen wir den Klimawandel? Wie produzieren wir nachhaltig? Und wie können wir unsere Welt so gestalten, dass sie auch morgen noch lebenswert ist?
Flensburg, Norwegen, Bali: Meine Reise zu mir selbst.
Luisa, viele starten nach dem Abitur direkt ins Studium oder gehen ins Ausland. Wie war das bei dir?
Ich wusste nach dem Abitur ehrlich gesagt nicht genau, was ich machen möchte. Viele in meinem Umfeld sind direkt studieren gegangen oder ins Ausland – aber beides hat sich für mich nicht richtig angefühlt.
Ich habe dann auf mein Bauchgefühl gehört und mich für eine Ausbildung entschieden. Eine Freundin hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht und sehr positiv davon erzählt. Das hat mich inspiriert.
Was hat dich an der Ausbildung gereizt?
Zum einen die Sicherheit. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung hat man einen festen Beruf in der Tasche – egal, was danach kommt. Zum anderen wollte ich die Arbeitswelt kennenlernen. Ich habe meine Ausbildung bei der Silbermanufaktur Robbe & Berking in Flensburg gemacht und zusätzlich noch eine Weiterbildung zur Europakauffrau.
Nach der Ausbildung bist du dann doch ins Studium gegangen. Warum?
Ich dachte mir: Ich werde noch lange genug arbeiten – warum nicht die Zeit nutzen, um mich weiterzubilden? Außerdem baut mein Studium inhaltlich auf der Ausbildung auf, das hat gut gepasst. Und dann fügte sich einfach alles. Genau das, was ich studieren wollte, bot die Universität in meinem Heimatort an. Also hab ich mich dort beworben.
Bild: © Luisa
Du bist jetzt im 6. Semester. War das rückblickend die richtige Wahl?
Auf jeden Fall. Was ich sehr gut finde: Das Bachelor Studium war unglaublich breit aufgestellt. Ich bekam Einblicke in viele Bereiche – Marketing, Rechnungswesen, Statistik, Ethik. Und ich bin eher ein Mensch, der sich gerne ausprobiert, deshalb hat mir das sehr gefallen, und es war dann auch hilfreich, um im Masterstudium dann den richtigen Schwerpunkt (Entrepreneurship & Small Business Management) zu wählen. Was mich aber überrascht hat: Es gibt keine Pflichtpraktika. Das finde ich schade, weil Praxiserfahrung extrem wichtig ist. Die hatte ich aufgrund meiner Ausbildung aber ja zum Glück eh schon.
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Du hast während deines Studiums zwei Auslandssemester in Norwegen und auf Bali absolviert. Wie kam es dazu?
Ich hatte schon während meiner Ausbildung erste Auslandserfahrungen in England gesammelt und gemerkt, dass mir das total liegt. Im Studium wollte ich das unbedingt vertiefen.
Mein Auslandssemester in Norwegen hab ich im Rahmen meines Bachelorstudiums 2022 gemacht. Das war sehr gut organisiert. Die Universität in Norwegen ist eine Partnerhochschule der Europa- Universität Flensburg (EUF), alles lief über Erasmus+. Das ist ein EU-Förderprogramm, das Studierende finanziell und organisatorisch unterstützt, einen Teil ihres Studiums im europäischen Ausland zu verbringen. Ich bekam Unterstützung von der Bewerbung bis zur Anerkennung der Kurse. Das war klasse.
Bali kam dann 2024 im Rahmen meines Masterstudiums. Das war ganz anders, weil ich quasi als Freemoverin unterwegs war und größtenteils alles selbst organisiert habe. Ich war dort vier Monate zum Studieren und habe anschließend noch einen Monat privat drangehängt. Das war viel freier, aber auch deutlich herausfordernder.
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Wie kann man sich ein Auslandssemester konkret vorstellen?
Man studiert ganz normal an einer Universität oder Fachhochschule vor Ort. Wichtig ist, dass man sich vorher darum kümmert, welche Kurse angerechnet werden können. Manchmal ist das unkompliziert, manchmal muss man mit Dozent*innen sprechen und Anträge stellen.
In welcher Sprache hast du studiert?
Alles auf Englisch; sowohl in Norwegen als auch auf Bali. Meine Englischkenntnisse habe ich aus der Schule, der Ausbildung und durch Praxis im Ausland.
Was hat dich am meisten geprägt?
Norwegen war für mich emotional sehr herausfordernd. Es war mein erster längerer Aufenthalt im Ausland, ich war noch jünger und musste mich erstmal zurechtfinden. Ich war oft überfordert und habe viel über mich gelernt. Bali war dann ganz anders. Ich war viel gefestigter, selbstständiger und habe die Freiheit total genossen.
Das Wichtigste war nicht das Studium an sich, sondern die persönliche Entwicklung. Ich habe also auch viel über mich selbst gelernt. Wer und wie ich wirklich bin. Zum Beispiel eher introvertiert, obwohl ich mich vorher extrovertiert gesehen habe. Und auch die Menschen, denen ich begegnet bin, waren ein guter Spiegel. Auf Bali bin ich vielen Menschen begegnet, die einfach nicht viel hatten (im materiellen Sinne), aber mir mit umso mehr Lebensfreude und Herzlichkeit begegnet sind. Das hat mir gezeigt, wie relativ meine Probleme oft sind – und wie viel ich aus einer anderen Perspektive lernen kann. Dafür bin ich sehr dankbar.
Was sind deine Pläne nach dem Studium?
Ich möchte erstmal in Teilzeit arbeiten und mir parallel etwas Eigenes aufbauen. Ich habe mich im Bereich der Energiearbeit, Yoga und systemisches Aufstellen weitergebildet und möchte auf jeden Fall etwas in dieser Richtung machen. Ich bin auch gerade schon fließig dabei, mir das aufzubauen. Für mich ist das übrigens kein Widerspruch zum Studium. Mein Studium gibt mir Sicherheit – und gleichzeitig schaffe ich mir Freiräume für Dinge, die mich persönlich erfüllen. Fühlt sich für mich nach einem gesunden Mix an.
Wie sieht denn im Moment dein Alltag abseits von Studium und Arbeit aus?
Ich bin sehr kreativ, gestalte Fotobücher und Collagen, arbeite gerne an eigenen Projekten. Ich bin viel in der Natur, mache Sport – unter anderem Poledance – und reise sehr gerne. Ich denke nicht lange nach, ich mache einfach immer das, worauf ich Lust habe und verlasse mich dabei immer auf mein Bauchgefühl.
Luisa, wir danken dir für diesen spannenden Einblick in dein Leben.
Du planst auch ein Auslandssemester in deinem Studium?
Diese drei Tipps hat Luisa für dich:
- FÖRDERUNGEN BEANTRAGEN (ERASMUS+, AUSLANDS-BAFÖG) – einfach versuchen, auch wenn man unsicher ist und/oder am Ende nur einen Teil erstattet bekommt.
- FRÜH INFORMIEREN UND VERNETZEN – persönliche Kontakte helfen immer.
- OFFEN UND MUTIG SEIN FÜR HERAUSFORDERUNGEN – daran wächst man am meisten.