27. Juli 2022
3 min

Auslandsstudium für bessere Karrierechancen – nur etwas für Reiche?

Ein Traum für Studierende: das Auslandssemester! Neue Erfahrungen, Sprachkenntnisse und ein erweiterter Horizont erwarten dich. Doch was ist mit den Kosten?

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Viele Arbeitgeber bevorzugen Absolventen mit Auslandserfahrungen, und nicht nur sie profitieren davon. Ein Semester im Ausland bringt für Studierende viele Vorteile, die sich nicht in besseren Sprachkenntnissen erschöpfen. Mit dem Auslandsaufenthalt stellst du unter Beweis, dass du dich auf neue, auch mal unangenehme Situationen einstellen kannst, flexibel bist und über den Tellerrand schaust. Diese innere Einstellung honorieren viele Arbeitgeber mit besseren Berufschancen.

Ein Studiensemester im Ausland: Mit Erasmus geht es günstiger

Schon seit 1987 existiert das sogenannte Erasmus-Programm der Europäischen Union, das größte Förderprogramm von Auslandsaufenthalten an Universitäten. Es soll die Mobilität beim Lernen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Nationen fördern. Das Austauschprogramm steht Studierenden, aber auch Absolventen und Dozenten offen. Neben drei- bis zwölfmonatigen Studienaufenthalten werden auch Praktika gefördert. Ein Erasmus-Semester hat den großen Vorteil, dass Studierende ein Stipendium erhalten können und vor Ort auch ideell durch einheimische Studienkollegen unterstützt werden. Neben den 27 EU-Staaten haben sich auch weitere europäische Länder und sogar die Türkei diesem Programm angeschlossen. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein reguläres Studium an einer der teilnehmenden Hochschulen.

Finanzielle Vorteile für Teilnehmer am Erasmus-Programm

Erasmus-Studenten zahlen an der Partneruniversität ihres Austauschortes keine Studiengebühren. Allein dadurch sparen sie oft mehrere tausend Euro. Überdies werden sie während ihres geförderten Auslandsaufenthaltes mit einer monatlichen Summe von ungefähr 200 Euro finanziell unterstützt. Diese Summe schwankt von Land zu Land und ist davon abhängig, wie viele Auslandsaufenthalte gerade durch das Programm gefördert werden. Über die Einzelheiten des sogenannten Mobilitätszuschusses kannst du dich auf den Websites der jeweiligen Hochschulen informieren.

Bewerbung um ein Erasmus-Semester

Bei so vielen Vorteilen verwundert es nicht, dass die Auslandsstudienplätze in diesem Programm begehrt und oft schnell vergeben sind. Du solltest dich also frühzeitig am Auslandsamt deiner Universität über die angebotenen Studienmöglichkeiten im Ausland informieren. Auch die Bewerbung um deinen ausgewählten Studienplatz erfolgt dort. Wichtig: Die beliebtesten Austauschländer sind Spanien, Frankreich und Großbritannien. Entsprechend hoch ist der Andrang bei den Bewerbungen für diese Länder. Leichter und einfacher kommst du an ein Auslandssemester, wenn du auch andere Länder in Betracht ziehst.

Tipp: die östlichen EU-Länder

Die Bewerbung um einen Studienaufenthalt beispielsweise in Polen, Litauen oder der Slowakei ist oft erfolgversprechender als in den oft ausgebuchten Hochschulen der europäischen Länder im Westen. Die Universitäten in den EU-Staaten östlich von Österreich verfügen über eine Vielzahl an Studiengängen in englischer Sprache. Kenntnisse der Heimatsprache sind in diesen Ländern zwar förderlich und hilfreich, aber nicht erforderlich, um an den Lehrveranstaltungen teilzunehmen.

Aufenthalte in diesen östlichen EU-Ländern sind genauso anspruchsvoll wie an anderen Universitäten, können aber finanziell deutlich günstiger sein. Sie sind eine hervorragende Alternative für Studierende, die wegen des Andrangs auf Plätze in den beliebtesten Ländern eine Ausweichmöglichkeit suchen.

Andere Wege zum Auslandssemester: Tipps und Kosten

Falls es beim Erasmus-Programm nicht gepasst hat oder du einen zweiten Auslandsaufenthalt planst, hast du eine Menge weiterer Möglichkeiten – die jedoch häufig ungleich kostspieliger sein können. Informationen zu Auslandssemestern außerhalb der EU erhältst du vorzugsweise beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst, der auch Plätze in den USA, in Australien und Kanada vermitteln kann. Richte dich jedoch hier auf höhere Ausgaben ein. Schon die Studiengebühren an manchen Unis können fünfstellige Summen betragen, und hohe Lebenshaltungskosten kommen an vielen Orten noch obendrauf. Da ist ein Stipendium ein großer Segen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst bietet auch für außereuropäische Studiengänge Förderungen an, die jedoch oft an höhere Voraussetzungen wie Studiennoten und Sprachkenntnisse geknüpft sind.

Wenn das Finanzielle dir keine Sorgen macht, hast du natürlich auch die Möglichkeit, dich direkt an einer ausländischen Hochschule um einen Studienplatz zu bewerben. Das sichert dir Unabhängigkeit von Fördermitteln und freie Wahl der Uni. Neben diesen Möglichkeiten existieren eine Vielzahl weiterer – teils kommerzieller – Vermittlungsorganisationen, die dich bei der Suche nach einem Platz für ein Auslandssemester unterstützen können. Viele von ihnen sind sicher auch an deiner Universität vertreten.